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Die zwei blinden Männer
Markus schließt seine Geschichte vom Weg nach Jerusalem mit der Heilung zweier Blinder ab. Bei der ersten Heilung gibt es zwei Stufen der Wiederherstellung des Augenlichts. Zuerst sagt er: “Ich sehe Menschen, die wie Bäume aussehen und gehen können.” (Mk 8,24) Dann legte Jesus ihm ein zweites Mal die Hände auf, und er konnte klar sehen.
In diesem Wunder zeigt uns Markus, dass wir die Botschaft Jesu immer in Etappen erhalten werden. Der erste Blinde ist ein Beispiel für die armen verwirrten Apostel und uns.
Der zweite blinde Mann hat auch eine Botschaft für uns. Das Hauptthema des ganzen Abschnitts ist es, sich Jesus auf dem Weg nach Jerusalem anzuschließen, und zwar zu seinen Bedingungen. Die Apostel waren verwirrt und verwirrt in dem ganzen Prozess.
Der zweite Blinde wird für uns zum Vorbild eines wahren Jüngers. Die Geschichte mit seinem Mantel zeigt, dass er sich von ganzem Herzen der Nachfolge Jesu verschrieben hat. Als Jesus ihn rief, warf er den Mantel weg. Das ist von entscheidender Bedeutung, denn der Mantel war die Haupteinnahmequelle des Mannes. Nach der damals üblichen Praxis legte der Bettler den Mantel vor sich hin, um das Almosen zu erhalten. Ebenso war der Mantel sein einziger Schutz vor den kalten Wüstennächten.
Markus beschreibt es folgendermaßen: “Er warf seinen Mantel beiseite, sprang auf und kam zu Jesus... Alsbald wurde er sehend und folgte ihm auf dem Weg.” (Mk10:50 -52)
Schlussfolgerung
Weite Bereiche unseres Geistes und unseres Herzens sind nicht mit den Werten des Evangeliums in Einklang. Meistens sind wir uns der Kluft in unserem Herzen einfach nicht bewusst. Das liegt am Einfluss und an der Kontrolle des falschen Selbst, unserem Erbe der Erbsünde. Wir sind verblendet. Wir sehen einfach nicht, wie weit wir von der wahren Treue zu Jesus und seinem Ruf nach dem Evangelium entfernt sind.
Von Zeit zu Zeit werden wir wachgerüttelt und erkennen, dass wir zu einer tieferen Ebene der Großzügigkeit und des Opfers aufgerufen sind. Vielleicht ist es das Zeugnis einer Person, deren Leben uns tiefer in das Evangelium einlädt. Manchmal ist es auch ein Film oder ein Buch. Manchmal ist es eine geistliche Lektüre oder eine Predigt, die uns in der Tiefe unseres Herzens berührt. Meistens aber ist es eine Krise in unserem Leben. Immer ist es das Wort Gottes in der Heiligen Schrift oder in tiefgreifenden und herausfordernden Erfahrungen in unserem Leben. All diese Begegnungen zeigen den immerwährenden Kampf in uns zwischen dem falschen und dem wahren Selbst, zwischen Sünde und Gnade, zwischen Gut und Böse. Es ist ein Kampf bis zum Ende. Allzu oft ist es ein Kampf, dem wir mit allen Mitteln ausweichen.
In ihrem Klassiker Das innere Schloss bietet Teresa von Avila einen wunderbaren Einblick in diese Fragen. Sie beschreibt die Situation des Menschen in der Dritten Wohnstätte. Die Person hat einige bemerkenswerte Fortschritte gemacht.
Teresa weist jedoch auf eine echte Gefahr für weitere Fortschritte hin. Der Mensch an diesem Punkt der Entwicklung hat ein tiefes Gefühl, angekommen zu sein. Er ist bereit, sich niederzulassen und sich in seinen geistigen Errungenschaften zu sonnen. In Wirklichkeit stehen sie erst am Anfang. Spiritueller Stolz ist ein Ungeheuer auf allen Ebenen, aber besonders in diesem frühen Stadium der Reise.
Das ist die Konsequenz von Mertons Kampf zwischen falschem und wahrem Selbst. Wir müssen uns immer am Anfang des Pilgerweges zu Gott sehen. Wir sind Sünder, die Gottes Barmherzigkeit brauchen, immer und überall.
Wahre Demut lässt uns die Großartigkeit der Barmherzigkeit Gottes erkennen und unsere ständige Notwendigkeit, sie zu suchen. Ein tiefes persönliches Gebet stärkt diese ängstliche Suche.