"Der Karmel lehrt die Kirche das Beten". - Papst Franziskus

DER NEUNZEHNTE SONNTAG IM JAHRESKREIS

Biblical scene: Jesus helps a fisherman in rough seas while disciples watch from a wooden boat nearby.

Diese Beitrag wurde ursprünglich veröffentlicht auf Gemeinsam beten.

Matthäus 14,22–33 

Die Botschaft des heutigen Evangeliums ist klar. Jesus begleitet uns auch weiterhin durch die Stürme und bedrohlichen Situationen unseres Lebens. Er mag verborgen und abwesend erscheinen, doch er ist da – sei es auf dem Meer, das im Begriff war, Petrus zu verschlingen, oder im Boot, das eine andere Bedrohung barg.

Die heutige Evangeliumsgeschichte, in der Jesus auf dem Wasser geht, ist voller Symbolik und Anklänge an das Göttliche im Alten Testament. Die Jünger befanden sich allein in einem vom Sturm hin- und hergeworfenen Boot. Plötzlich war Jesus da, um ihnen – und uns – zu versichern und zu lehren, dass es keinen Konflikt, keinen Kampf, keine Schwierigkeit und keine Angst gibt, die so groß wäre, dass Gottes fürsorgliche Liebe sie nicht lösen könnte.

In erster Linie ist die Geschichte vom Boot im Sturm ein Sinnbild für die Kämpfe der Kirche in den ersten Tagen ihres Bestehens und im Laufe der Geschichte. Ebenso ist die Episode, in der Petrus im Wasser untergeht, Ausdruck der grundlegenden menschlichen Erfahrung, völlig schutzlos zu sein.

Peter ist mutig und abenteuerlustig, als er zu Jesus ruft:, “Wenn du es bist, Herr, so befiehl mir, zu dir auf dem Wasser zu kommen.” (Mt 14,28) Petrus macht sich auf den Weg, doch die Realität überwältigt seinen schwachen Glauben. Als Petrus vor seiner Stunde der Wahrheit steht und zu sinken beginnt, ruft er:, “Herr, rette mich!” (Mt 14,30) Dies ist Ausdruck der nackten und ungefilterten Wahrheit unseres Menschseins. Letztendlich sind wir vollkommen von Gott abhängig.

Jesus sagt:, “Fürchtet euch nicht!” (Mt 27). Dieser Satz kommt in der Bibel über dreihundert Mal vor. Jedes Mal führt er uns in die liebevolle Vorsehung Gottes ein, in die gnädige Gegenwart eines rettenden und barmherzigen Gottes. Ihn als Trostwort zu bezeichnen, würde ihm bei weitem nicht gerecht werden. Er offenbart einen Gott, der sich mit heilender und befreiender Kraft tief in den menschlichen Kampf einbringt. Diese Episode offenbart, wie so viele in der Bibel, einen Gott, der uns in unseren Kämpfen stets persönlich zur Seite steht. In der heutigen Episode landet Petrus beispielsweise wieder im Boot und nicht auf dem Meeresgrund.

Peters gescheitertes Unterfangen hatte einige sehr positive Folgen. Er lernte, dass die schmerzhafte Konfrontation mit seiner eigenen Schwäche die rettende Kraft des Herrn ans Licht brachte. Sofort wurde Petrus die Begrenztheit seines eigenen Glaubens bewusst. Gleichzeitig besaß er die Besonnenheit, sich an Jesus zu wenden. Sein “Rette mich, Herr!” war kein geringes Geschenk. Es öffnete sein Herz für ein tieferes Vertrauen in Jesus und für das Bewusstsein, wie zerbrechlich sein Glaube war. Das ist der Weg des Glaubens: ein langsames, schrittweises Wachsen inmitten der rauen und turbulenten Realität des Alltags. Für Petrus und für uns ist unsere Glaubenserfahrung immer mit dem Ruf Jesu verbunden und nicht mit unseren Wunschvorstellungen. Bei der wahren Begegnung mit Gott geht es immer um Dienst und Opferbereitschaft und nicht um Selbstsucht und Genusssucht.

Wir alle haben unsere, “Herr, rette mich!” Momente. Mit den Jahren werden sie zwar seltener, aber dafür umso intensiver. Schließlich wird uns immer deutlicher bewusst, dass wir uns tatsächlich mitten im Sturm befinden und kurz davor stehen, unterzugehen.

Die Erkenntnis, wie sehr wir Jesus brauchen, wächst in unserem Herzen. Sei es eine Gesundheitskrise, wie wir sie während der Pandemie erlebt haben, ein Kind oder ein Ehepartner mit einer pathologischen Sucht, der Verlust eines geliebten Menschen, die Folgen einer Wirtschaft, die sich unserer Kontrolle entzieht, die zunehmenden Bedrohungen durch den Klimawandel oder einfach der unaufhaltsame Prozess des Alterns. Die Schlagzeilen von heute berichten zwar von neuen Ereignissen, doch sie spiegeln dieselbe Spannung wider, nämlich die allgegenwärtige Unvorhersehbarkeit des Lebens. Wir sind immer nur einen Katzensprung vom Sturm entfernt, wenn wir nicht schon mitten drin stecken. All diese Stressfaktoren belasten unser persönliches, familiäres und gemeinschaftliches Leben außerordentlich. Wie auch immer die Situation aussehen mag – all diese Ereignisse sind Vorboten der ultimativen menschlichen Erfahrung: unserer Sterblichkeit. Die Tiefe des Schreis, “Herr, rette mich!”, wird immer intensiver und bestimmender. Gleichzeitig wird das Bedürfnis nach der ausgestreckten Hand Jesu immer deutlicher, stärker und unglaublich viel wichtiger. Wir müssen unseren Blick fest auf Jesus richten.

Der heilige Augustinus äußerte sich wie folgt zu den Stürmen des Lebens, die Petrus und uns erleben: “Er kam und schritt auf den Wellen; und so legt er alle tobenden Stürme des Lebens unter seine Füße. Christen – warum fürchten?”

Die heilige Teresa von Ávila zieht aus den heutigen Betrachtungen eine klare Schlussfolgerung. Teresa sagt, die Geschichte ihres Lebens sei die Geschichte von Gottes Barmherzigkeit. Damit meint sie, dass sie, als sie den tiefsten und klarsten Moment ihres Lebens erreicht hatte – ihren “Herr, rette mich!”-Moment –, gelernt habe, was es bedeutet, ein Geschöpf zu sein. Sie nahm die Tatsache ihrer Existenz als Geschöpf an, denn für sie bedeutete dies, dass sie in den liebevollen Händen eines gnädigen Schöpfers geborgen war, der sich in ihrem großen Freund und Erlöser, Jesus Christus, offenbarte. Die ultimative Wahrheit ist, dass Gott gut ist – nicht, dass wir gut sind. Letztendlich ist Gottes grenzenlose Barmherzigkeit ihr Sieg.

Es ist für uns ein Weg, zu erkennen, dass auch unser Leben in seiner letzten Ausprägung die Geschichte von Gottes Barmherzigkeit ist. Das ist in der Tat eine wunderschöne Wahrheit, wie Petrus im heutigen Evangelium erfahren hat.

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